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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Laut und kraftvoll gegen aktuelle Kriege und drohende Eskalationen

05. Okt 2026

Kommentar zu den Friedensdemonstrationen am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart von Wiltrud Rösch-Metzler, Vorsitzende von pax christi Rottenburg-Stuttgart.

Über 20.000 Menschen in Berlin und 15.000 in Stuttgart stellten sich hinter die Losung der Demonstrationen „Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg! – Für Frieden, demokratische Rechte und soziale Sicherheit!“. Über 300 Organisationen und Friedensgruppen bildeten das bundesweite „Aktionsbündnis 3. Oktober 2026“. 

Auffallend waren die vielen jungen Demo-Teilnehmenden. Sie gehen über das Thema Wehrpflicht auf Friedensdemos, Wehrpflicht, weil es sie selber und ihre Familien existenziell betrifft. Sie demonstrieren aber nicht nur wegen der drohenden Wehrpflicht, betonte der Schüler Leo in seiner Rede in Stuttgart. Sie seien beispielsweise auch gegen die Blockade Kubas. Die Hälfte der Rednerinnen in Stuttgart waren aus der jungen Generation. Der 33jährige Jules El Khatib von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft sprach über den Völkermord in Gaza und forderte die sofortige Einstellung der deutschen Waffenexporte nach Israel. Wir würden alle sehen, was Israel mit diesen Waffen mache, einsetzen gegen Zivilisten in Gaza, Westbank Libanon Syrien, Iran. „Wer Menschenrechte ernst nimmt, liefert keine Waffen an ein Land, wo offen von ethnischer Säuberung gesprochen wird.“

Mit 87 Jahren redete in Stuttgart auch Pfarrer Paul Schobel von pax christi. Er blickte warnend in die Zukunft „Unsere geliebte KI reißt sich los, macht sich selbständig. Wir sind dem Untergang geweiht, wenn es uns nicht gelingt, die KI, diese Schmuse-Katze („Paul, was kann ich heute für dich tun?“) in Ketten zu legen. Sie wird ungefragt alle Sicherungen knacken und autonom Kriege führen.“ Dann sei auch nirgendwo mehr ein russischer Oberst, der 1983 bei einem Fehlalarm den atomaren Gegenschlag verhindert hat. „Aber wie soll man weltweit KI regulieren, wenn die Völker sich bekriegen? Die War-Lords werden dieses Instrument dankbar mit dem Drecksgeschäft der Kriegführung beauftragen. Dann Gnade uns Gott!“

„Schämen müssen nicht wir uns“, sagte Schobel, sondern die immer noch glauben, man könne Gewalt nur mit Gewalt überwinden. Die nach bald fünf Jahren Krieg in der Ukraine nicht wahrhaben wollen, dass Krieg nur die Gräben vertieft und Hass den Hass vermehrt. Wir glauben daran, dass – wer Frieden will, mit dem Feind reden muss.“

Eine Gruppe um den GEW-Kreisvorsitzenden aus Aschaffenburg fand: Es war eine gelungene Veranstaltung mit sehr guten Redebeiträgen und lobten die Demo-Route durch belebte Innenstadt-Viertel. Das Adressieren der Passanten über Lautsprecher habe die Wirkung der Demo verstärkt. Eine Gruppe Frauen aus einer Kirchengemeinde in Stuttgart ging zum ersten Mal zu einer Friedenskundgebung. Sie waren von den ausgezeichneten Reden und der guten Stimmung beeindruckt

„Aus Frankfurt waren wir mit zwei Bussen und 120 Teilnehmenden zur Demo nach Stuttgart gefahren - insgesamt eine lohnende Reise“, berichtet Matthias Jochheim, IPPNW. Wichtig seien auch die engagierten Video-Beiträge gewesen: von Hüseyin Dogru, der per EU-Sanktionen (ohne gerichtliche Verfahren) mit Reiseverboten und Finanzblockaden bedacht wurde, weil seine journalistischen Meldungen der EU-Kommission nicht passten, von der Sprecherin der britischen Campaign for Nuclear Disarmament (CND) Sophie Bolt „sowie von der früheren EKD-Vorsitzenden Margot Käßmann, die engagiert dem gemeingefährlichen Rüstungsboom in Europa entgegentraten.“

Es war eine Friedenssehnsucht, die die Menschen am 3. Oktober auf die Straße trieb und es ist eine Bewegung im Werden, die nach einer friedenspolitischen Intervention gegen Aufrüstung und Krieg sucht. Das konnte auch eine sogenannte „antifaschistische Intervention“ in Stuttgart, und deren gefährlicher Moment, ein Angriff auf eine Rednerin, von der Polizei abgewendet wurde, nicht schmälern.

Nach den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und dem Aktionstag der Gewerkschaften gegen den Angriff der Regierung auf den Sozialstaat, protestierten die Demonstrierenden in Berlin und Stuttgart gegen die eskalierenden Kampfhandlungen im Ukrainekrieg und die wachsende Gefahr eines großen, gar mit Atomwaffen geführten Krieges in Europa. Die Kriege im Nahen und Mittleren Osten und die Demontage des Völkerrechts durch die westliche Unterstützung der US-amerikanischen und israelischen Aggressionen, waren ebenfalls Themen der Kundgebungen.

Die Rednerinnen und Redner wandten sich gegen die Pläne der Bundesregierung, die Bundeswehr durch hunderte Milliarden für Rüstung und Militär zur stärksten konventionellen europäischen Armee in der NATO und Deutschland zur Führungsmacht in Europa zu machen. Sie forderten Diplomatie statt Waffenlieferungen, Engagement für eine neue Friedensordnung, zurück zu den Zielsetzungen einer „gemeinsamen Sicherheit“.

Junge Rednerinnen und Redner kündigten weiteren Widerstand gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die Militarisierung der Gesellschaft an. Gewerkschafter verbanden Kritik an der Hochrüstung mit der Warnung, dass Schuldendruck zwangsläufig auf Kosten der sozialen Versorgung gehen und die soziale Spaltung vertiefen wird. Und Unterstützer der in Stuttgart-Stammheim vor Gericht stehenden Ulm5, die in den israelischen Rüstungskonzern Elbit in Ulm eingedrungen waren, riefen zu einer bundesweiten Demo am 24. Oktober in Stuttgart auf

Die Friedensbewegung wird ihre Aktionen fortsetzen, sich der Politik der Konfrontation entgegenstellen und Alternativen aufzeigen zu Krieg und Hochrüstung. Das ist das Fazit dieses Tages.

Wiltrud Rösch-Metzler, pax christi Diözesanvorsitzende Rottenburg-Stuttgart und Mitglied im bundesweiten und regionalen Vorbereitungskreis.